Baobab Schule für Kunst und Handwerk

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Ländliche Region der Central Region

Ghana ist ein Land voller Gegensätze. Während sich die Hauptstadt Accra - abgesehen von den großen Slumgebieten - rapide zu einer modernen Metropole entwickelt, ist diese Entwicklung auf dem Land kaum zu spüren. In der Central Region, wo Baobab tätig ist, leben die Menschen in den Dörfern hauptsächlich von wenig effektiver Subsistenzwirtschaft, meist ist ihr Stück Land zu klein, um die Familie überhaupt zu ernähren, die Armut ist groß.

Viele Menschen verdienen kaum das Nötigste zum Leben, wovon sollen sie da noch ihre Kinder in die Schule schicken?

Schul-Uniform, Schuhe, Hefte, Schreibmaterial und Bücher sind für viele Familien einfach nicht zu finanzieren.
Eine zerrissene oder zu kleine Schuluniform kann zum Rausfallen aus der Schule führen.



batik Viele Kinder gehen nicht in die Schule

Morgens, wenn Kinder gewöhnlich in der Schule sein sollten, sieht man immer noch viele auf den Straßen der Dörfer.

Sie erledigen kleinere Arbeiten für die Eltern wie Wasser holen, Holz sammeln, auf die kleineren Geschwister aufpassen, während die Eltern auf dem Feld sind oder bei der Arbeitssuche. Andere Kinder schleppen Waren oder verrichten schwerere Arbeiten für die Größeren wie Zuckerrohrschnaps herstellen, Mehl mahlen an ohrenbetäubenden Maschinen, auf dem Markt arbeiten oder sich als Hilfsarbeiter beim Bau verdingen.

Viele Kinder arbeiten für einen sehr geringen Lohn auf fremden Farmen oder helfen den Eltern bei den notwendigen harten Arbeiten auf dem Feld.


cane_and_bamboo Die Baobab Schule

Seit 2005 hat Baobab diese Kinder angesprochen, in das Baobab Jugendausbildungszentrum geholt und eine Schule für sie aufgebaut, egal, ob sie Analphabeten waren oder schon etwas schreiben und rechnen konnten. Da Baobab auch Straßenkinder aufnimmt, passiert es immer mal wieder, dass einige wieder abbrechen, dass sie sich nicht mehr in ein geregeltes Schulleben einfügen können, aber der Versuch ist es immer wert.
Heute leben alle Schülerinnen und Schüler während des Trimesters im Jugendausbildungszentrum. Wir nehmen Kinder von 10 bis 15 Jahren auf. Das Zentrum ist nach ökologischen Gesichtspunkten aufgebaut: bauen möglichst mit lokalen Materialien, Solarlampen, Solarkocher, Solartrockner, Biofarm mit Austernpilzproduktion und Moringafarm, Regenwasserauffangbecken, einen Medizingarten und eine Vielfalt von verschiedensten Baumarten.

Plastik wird recycelt und es ist auffallend sauber bei Baobab; der Müll wird, sofern alle Mitarbeiter mitmachen, getrennt. Die Kinder sollen in einer gesunden und sauberen Umgebung aufwachsen, da dies auch längerfristig Einfluss auf ihr häusliches Umfeld hat.


carpentry Erziehung in Würde

Gemeinsam wurde beschlossen, die SchülerInnen weder zu schlagen noch mit anderen entwürdigenden Mitteln zu bestrafen- was leider in Ghana noch allzu oft sowohl im Elternhaus als auch in den Schulen üblich ist.

Eine Lehrervertretung ist für die Maßnahmen der Korrektur bei Fehlverhalten zuständig. Die Hauptprinzipien sind: Positive Bestätigung, Lob und Belohnung für gutes Verhalten, das Gespräch, ein Wiedergutmachen von Fehlern durch Arbeit für die Gemeinschaft. Regelmäßig arbeiten wir in Lehrerkonferenzen oder in Versammlungen mit den Verwandten der Kinder an dem Hintergrund unserer Erziehungsmethoden, um so eine gemeinsame Basis für die Erziehung unserer Kinder zu schaffen.


dressmaking Erziehung zur Kreativität

Die SchülerInnen sollen vielseitig und kreativ im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe ausgebildet und alphabetisiert werden. Sie haben vormittags Unterricht im Schreiben, Lesen, Englisch, Mathematik und Naturkunde. Am Nachmittag werden sie entsprechend ihren Wünschen und ihren Fähigkeiten von Fachlehrern bzw. Meistern in praktischen Fächern ausgebildet: Schreinern, Fahrradreparatur, Nähen, Batiken, Holzschnitzen, Rattanmöbelbau, Kenteweben, Malen, Korbflechten, Bioanbau, Austernpilzzucht, Herstellung von Medizin aus Heilpflanzen, Töpfern, Catering, Entrepreneurship und Trommeln & Tanzen. Diese gleichzeitige Qualifikation in akademischen Fächern und praktischem Unterricht vergleichbar mit dem Berufsschulunterricht in Deutschland hat sich als sehr motivierend erwiesen.

Jede/r Schüler/in wählt 2-3 der aufgezählten Fächer, die gut kombiniert werden können und die ihnen eine Zukunft in Ghana ermöglichen.


farm_rez Socially and physically challenged - hand in hand

Inzwischen ist die Schule eine "inklusive Schule". Wir haben zunehmend mehr Jugendliche mit körperlichen Behinderungen. meist sind das in Ghana Poliofälle, die im Rollstuhl sitzen oder an Krücken laufen. Eine gemeinsame Erziehung dieser Kinder ist eine große Bereicherung für alle. Körperbehinderte wurden in Ghana bis vor einigen Jahren nicht wahrgenommen als Menschen mit Fähigkeiten, manche wurden sogar von ihren Familien versteckt.

Heute hört man jedoch oft: Disability is not inability.
Diese Jugendlichen fühlen sich bei Baobab besonders wohl, weil sie oft in der Gesellschaft draußen abgelehnt worden sind. Einige bekommen ein spezielles Training von unseren Freiwilligen, aber in der Regel sind sie bei allem, was sie tun können, dabei und die SchülerInnen helfen sich gegenseitig.


arts:examination Wohin führt die Baobab Schule?

2013 ist es uns gelungen, Baobab als Privatschule staatlich registrieren zu lassen. Dadurch können die SchülerInnen von Baobab am Ende ihrer Schulzeit, das kann nach 3 oder auch erst nach 6 Jahren sein, eine staatliche Prüfung, genannt NVTI (National Vocational Training Institute) ablegen. Über 20 unserer Baobab-Jugendlichen haben diese Prüfung inzwischen schon bestanden.

Sie leisten anschließend einen „Service für Baobab“ und arbeiten für 1 Jahr für ihre Schule. Danach steht ihnen die Möglichkeit offen, zunächst weiter für Baobab zu arbeiten oder sich einen Meister zu suchen, um ihre praktischen Fähigkeiten zu vervollkommnen. Falls es gewünscht wird, bringen wir sie in Verbindung mit ‚Microcredit' Institutionen, damit sie ihre eigene Werkstatt aufbauen können. Wir gehen davon aus, dass diese Jugendlichen sich im späteren Leben eigenverantwortlich, aber auch in Verantwortung für das Allgemeinwohl engagieren und ihr Wissen weitergeben werden. Sie werden ihre Kinder in die Schule schicken und für ihre Familie sorgen.

kente2016 Stand Anfang 2016
Zum Beginn des Jahres 2016 besuchen über 90 SchülerInnen die Baobab Schule, sie werden von 15 LehrerInnen bzw. Meistern unterrichtet. Sollten wir mehr Menschen in Deutschland finden, die eine Patenschaft für ein Kind übernehmen, so nehmen wir gerne mehr Kinder auf, unsere Warteliste ist lang.

kentepresentation Samstags wird für die Schule gearbeitet

Wie in Ghana üblich lernen die Jugendlichen nicht nur bei Baobab, sie wohnen und leben dort auch, fahren nur in den Ferien zu den Eltern, Großeltern oder wer sonst für sie als Versorger noch da ist. Sie erhalten bei Baobab 3 warme Mahlzeiten am Tag und werden mit allem versorgt, wozu die Verwandten nicht in der Lage sind. Seit 2015 beteiligen die Eltern, so sie dazu in der Lage sind, mit einem ganz kleinen Beitrag an den Kosten.

Die SchülerInnen tragen aber entsprechend ihrem Alter auch ein wenig zur Finanzierung der Schule bei, indem sie samstags in Kreativworkshops kleine Dinge herstellen, z.B. Ketten und Armbänder aus Glaspulverbeads, andere weben Kentestreifen oder nähen Taschen, wieder andere helfen samstags auf der Farm oder kochen in der Küche oder produzieren Moringapulver. Das ist immer eine willkommene Abwechslung zum Unterricht an den anderen Tagen, es wird viel gelacht und erzählt.

Nachhaltigkeit durch Social Entrepreneurship

Da es immer schwieriger wurde, alle Kosten der wachsenden Schule mit Spenden aus Deutschland zu decken, machten wir uns Gedanken, wie wir in Ghana Geld erwirtschaften könnten.

Die Idee eines Geschäftshauses in Cape Coast wurde geboren. Was zunächst 2008 mit dem Anmieten eines Ladens für den Verkauf der Produkte, die im Unterricht oder durch die Arbeit der Mitarbeiter entstanden, begann, ist nun erweitert durch 5 Gästezimmer, einem vegetarischen Moringa-Restaurant, einer Schneiderei und einem Konferenzraum.
Es werden ständig 14 SchülerInnen im Rahmen ihrer praktischen Schulausbildung dort zusätzlich zu ihren anderen praktischen Fächern als Köche und Servierer ausgebildet. Sie fahren dazu einen Tag in der Woche nach Cape Coast in das Baobab Haus. Es arbeiten 7 erwachsene GhanaerInnen im Baobab Haus, das sich selbst trägt und zudem noch einen Überschuss erwirtschaftet, der der Schule zugute kommt.

Zur Unterstützung der Schule und gleichzeitig zum Schaffen von Arbeitsplätzen wäre es schön, wenn neben dem Baobab Haus in Cape Coast noch weitere Unternehmen entstehen würden.
Möglich wären der Ausbau der Biofarm, das Herstellen von lokaler Medizin und Moringapulver, die Erweiterung der Produktion im Rattanmöbelbau, in der Schreinerei, der Keramikwerkstatt, der Töpferwerkstatt, sowie die Herstellung von Dachziegeln, Bodenfliesen, Bausteinen aus gebranntem Ton und eine Schneiderei für Männer und Frauen. Wir sind immer dankbar für Spenden um eine dieser Ideen verwirklichen zu können.
Längerfristig sollte die Schule auf eigenen Füßen stehen, einerseits durch kleine Unternehmen und andererseits auch durch eine mögliche Unterstützung vom Staat.

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BAOBAB SCHOOL FOR TRADES AND TRADITIONAL ARTS – "BASTRATRAA"
Eine Schule für Kinder aus bedürftigen Familien, Waisenkinder, Kinderarbeiter und Kinder mit körperlichen Defiziten.

Socially and physically challenged - hand in hand.

BAOBAB  -  CHILDREN  -  FOUNDATION